Diplomarbeit
von Ephraim Spehrer
Virtuelle Teams:
Anwendung des Systemansatzes in der Tradition von Bateson
zur Beschreibung virtueller Teams
Version: 30.06.2001
vollstständige Version finden Sie hier
Inhaltsübersicht
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung der Arbeit
1.1 Einleitung
1.2 Zielsetzung
2. Virtuelle Teams: Definitionen und Grundlagen.
2.1 Definitionen
2.1.1 Team
2.1.2 Virtuelles Team
2.2 Arten virtueller Teams.
3. Virtuelle Teams als Forschungsgegenstand.
3.1 Führung in virtuellen Teams
3.1.1 Selbststeuerung virtueller Teams
3.1.2 Kompetenzen von Führenden virtueller Teams
3.1.3 Rolle und Aufgaben von Führenden virtueller Teams
3.2 Kompetenzen von Mitarbeitern virtueller Teams.
3.3 Kommunikation in virtuellen Teams
3.3.1 Analoge Kommunikation in virtuellen Teams
3.3.2 Ein-Weg- / Zwei-Weg-Kommunikation
3.3.3 Kulturbedingte Grenzen der Kommunikation
3.3.4 Metakommunikation in virtuellen Teams
3.4 Vertrauen in virtuellen Teams
3.5 Regeln und Arbeitsrichtlinien in virtuellen Teams
3.6 Kommunikationstechnologie in virtuellen Teams
3.6.1 Synchrone und asynchrone Kommunikationstechnologie
3.6.2 Organisationales Umfeld beim Einsatz von Kommunikationstechnologie
3.6.3 Konsequenzen für die Auswahl von Kommunikationstechnologie
3.7 Sonstige Besonderheiten virtueller Teams.
3.7.1 Ziele
3.7.2 Phasen virtueller Teams: „Stresspunkt S“
3.8 Zusammenfassung.
4. Grundlagen der Systemtheorie.
4.1 Was ist ein System?.
4.2 Weitere Merkmale von Systemen.
4.2.1 Selbstorganisation
4.2.1.1 Autopoiese
4.2.1.2 Selbstreferenz
4.2.2 Komplexität
4.3 Übertragung des Systemansatzes in der Tradition von Bateson auf virtuelle Teams
4.3.1 Merkmale des Systemansatzes in der Tradition von Bateson in Bezug auf virtuelle Teams
4.3.1.1 Personen als Elemente des Systems
4.3.1.2 Subjektive Deutungen im System
4.3.1.3 Regeln sozialer Systeme
4.3.1.4 Interaktionsstrukturen in sozialen Systemen
4.3.1.5 Systemumwelt
4.3.1.6 Entwicklung sozialer Systeme
4.3.2 Menschenbild des Systemansatzes in der Tradition von Bateson
4.3.3 Operationalisierung der Merkmale dieses Systemansatzes
4.3.4 Problematik einer Übertragung des Systemansatzes in der Tradition von Bateson auf virtuelle Teams
5. Untersuchung der praktischen Relevanz der Merkmale des Systemansatzes in der Tradition von Bateson
5.1 Praktisches Vorgehen bei den Interviews.
5.1.1 Vorstellung der virtuellen Teams
5.1.1.1 Hyperwave AG
5.1.1.2 AOL Deutschland
5.1.1.3 Think Tank Corporate Consulting GmbH
5.1.2 Untersuchungsziel und Verwendungszweck
5.1.3 Methodik
5.1.3 Entwicklung der Leitfragen
5.1.4 Durchführung der Interviews
5.1.5 Grenzen des Forschungsansatzes
5.1.6 Auswertung der Interviews
5.1.7 Kategoriensystem und Unterkategorien
5.2 Diskussion der Ergebnisse.
5.2.1 Personen als Elemente des sozialen Systems
5.2.2 Subjektive Deutungen
5.2.3 Soziale Regeln
5.2.4 Interaktionsstrukturen in sozialen Systemen
5.2.5 Systemumwelt
5.2.6 Entwicklung sozialer Systeme
5.2.7 Zielsetzung im virtuellen Team
5.3 Fazit
6. Resümee
6.1 Zusammenfassung.
6.2 Kritische Reflexion.
6.3 Perspektiven
Literatur.
Begriffsklärungen
Anlagen
Anlage 1: Interview-Leitfaden.
Anlage 2: Transkription eines Interviews.
Unsere neuen technologisch vermittelten
Beziehungen zwingen uns zu der Frage,
in welchem Ausmaß wir selbst zu Cyborgs,
zu transgressiven Mischwesen aus Biologie,
Technologie und Code, geworden sind.
(Sherry Turkle)
Die Entwicklungen der Informations- und Telekommunikationstechnologie der letzten Jahre haben die Globalisierung von Unternehmen enorm beschleunigt. Es ist für viele Unternehmen mittlerweile selbstverständlich, Organisationseinheiten zu schaffen, bei denen die einzelnen Team- oder Projektmitarbeiter sich nicht wie bisher in einem Gebäude bzw. an einem Standort in unmittelbarer Nähe befinden, sondern von verschiedenen Standorten aus ihre Tätigkeit ausführen.
Im Gegensatz zu konventionellen Teams arbeiten diese „virtuellen Teams“ über Raum-, Zeit- und auch Organisationsgrenzen hinweg. Diese Form der virtuellen Zusammenarbeit bringt sowohl für Unternehmer als auch für Mitarbeiter erhebliche Neuerungen:
· Menschen können zu beliebiger Zeit an jedem Ort mit kommunikationstechnischer Infrastruktur miteinander arbeiten
· Menschen können aufgrund ihrer Kompetenzen und nicht nur aufgrund der geographischen Nähe (Lage) rekrutiert werden
· Auch Menschen mit körperlichen Handicaps ist eine Mitarbeit möglich, sofern sie in der Lage sind, die Kommunikationsmedien zu bedienen
· Kosten in Verbindung mit Reisen und Übernachtung, aber auch Kosten für Mieten bzw. Anschaffung von Bürogebäuden können beträchtlich reduziert werden.
Wenn wir uns fragen, wodurch Team- bzw. Gruppenbildung gefördert wird, denken wir oft an Faktoren wie z.B. häufige persönliche Kontakte, räumliche Nähe und die Möglichkeit der unmittelbaren Kommunikation. Rosenstiel (1995) betont in diesem Zusammenhang sogar, dass die Möglichkeit der direkten Kommunikation eine wichtige organisationale Rahmenbedingung für die Gruppenbildung sei, welche durch ausschließlich elektronische Kommunikation erheblich beeinträchtigt werde.
Das Bild, das wir von der persönlichen Interaktion zwischen Menschen innerhalb einer Organisation in uns tragen, prägt unsere alten Vorstellungen von Teamarbeit. Was virtuelle Teams von konventionellen unterscheidet, ist das ständige Überschreiten von Grenzen: Grenzen des Raumes, der Zeit(zonen) und der Organisation. Das neue dabei ist die Vielfalt an elektronischen Technologien, die virtuellen Teams dabei zur Verfügung stehen.
Die neue Situation von kooperierenden Projektteams über Standort- und oftmals auch Landes- bzw. Kontinentalgrenzen hinweg wird meist eher unter einer technischen Perspektive betrachtet. Die völlig neue Art der zwischenmenschlichen Kommunikation und der damit verbundenen Gewohnheiten für Mitarbeiter als auch Führungskräfte dieser virtuellen Teams, werden dabei meist ungenügend berücksichtigt.
Die in der Literatur und aktuellen Fachzeitschriften genannten Gründe für die Einrichtung virtueller Teams in Unternehmen sind in folgender Tabelle zusammengefasst:
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Gründe |
Beschreibung |
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1. Organisationale Trends |
· Globalisierung und zunehmender internationaler Wettbewerb · Fusionen, Zukäufe, Verkleinerungen und Auslagerungen |
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2. Betriebswirtschaftliche Erfordernisse |
· Organisationsweite Produktentwicklung · Wandel der gegenwärtigen Produkte und Dienstleistungen · Verlagerung / Auslagerung von Produktionsstätten und Dienstleistungen an andere Standorte |
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3. Technologie |
· Fortschritte in der elektronischen Informations- und Kommunikationstechnologie · Höherer „return on investment“ durch effektive Nutzung von bestehender technologischer Infrastruktur |
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4. Expertenwissen / Fachwissen |
· Größeres und spezielleres Wissen durch organisationsweite Vernetzung · Einfluss auf das Wissen der Organisation (Wissensmanagement) · Technische Spezialisierung |
Tabelle 1: Zusammenfassung der Gründe für virtuelle Teams
Für das Management, vor allem für das Personalmanagement von Unternehmen und Organisationen, drängen sich bei diesen veränderten Rahmenbedingungen u.a. Fragen auf wie:
· Welche Kompetenzen muss ein Mitarbeiter mitbringen, um auch in einem virtuellen Team erfolgreich agieren zu können?
· Welche Herausforderungen kommen auf Führungskräfte bei der Leitung virtueller Teams zu?
· Wie sollte die Kommunikation in virtuellen Teams aussehen?
· Welche Rolle und welchen Einfluss hat die Technik innerhalb virtueller Teams?
· Wie fördert man z.B. den Aufbau von Vertrauen unter den Teammitgliedern? etc.
Diese und ähnliche Fragen werde ich im Verlauf dieser Arbeit aufgreifen und sowohl aus theoretischer als auch aus Sicht von Mitgliedern virtueller Teams beleuchten.
In meiner Diplomarbeit werde ich virtuelle Teams aus einer systemtheoretischen Sichtweise erörtern. Der Systemansatz in der Tradition von Bateson wurde von König/Volmer im Rahmen der systemischen Beratung von Organisationen und konventionellen Teams bereits seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Eine Anwendung dieses Ansatzes bei der Beratung virtueller Teams fand bisher noch nicht statt. Zielsetzung meiner Diplomarbeit ist die Erörterung der Anwendbarkeit des Systemansatzes in der Tradition von Bateson zur Beschreibung der Ist-Situation von virtuellen Teams. Dies soll auf der Basis theoretischer Überlegungen und anhand von Interviews mit Mitarbeitern und Leitern virtueller Teams dreier Unternehmen der IT-Branche diskutiert werden.
Die primäre Frage dabei ist, ob die Merkmale des Systemansatzes in der Tradition von Bateson zur Analyse, also der Beschreibung der Ist-Situation, virtueller Teams geeignet sind und inwiefern dabei auch qualitative Unterschiede von erfolgreich und nicht erfolgreich zusammenarbeitenden virtuellen Teams erfasst werden können. Es geht dabei nicht um die Validierung dieses Systemansatzes hinsichtlich seiner Grundannahmen und des Begriffssystems im wissenschaftstheoretischen Sinne, sondern im utilitaristischen Sinne um die Zweckdienlichkeit dieses Ansatzes in Bezug auf die Praxis virtueller Teams.
Diese Arbeit bleibt aufgrund des inhaltlichen Rahmens einer Diplomarbeit bewusst auf einer rein deskriptiven Analyse virtueller Teams. Diese Analyse stellt die Basis für eine anschließende Intervention bei virtuellen Teams dar. Das Themenfeld der Intervention bei virtuellen Teams müsste in einer separaten Arbeit dargestellt werden.
In Kapitel 2 und 3 lege ich die Grundlagen und den aktuelle Stand der Forschung und Literatur zu virtuellen Teams dar. Dabei ist anzumerken, dass die aktuelle Literatur und bisherige Forschung zu diesem Thema überwiegend aus dem anglo-amerikanischen Raum kommt und ich daher einige Quellen in der Originalsprache zitiere.
Im Kapitel 4 stelle ich die Grundlagen und wichtigen Merkmale der Systemtheorie dar und reflektiere sie in Bezug auf virtuelle Teams. Im Anschluss daran erläutere ich den Systemansatz in der Tradition von Bateson, der im Rahmen systemischer Organisationsberatung durch König/Volmer operationalisiert wurde. Darüber hinaus diskutiere ich im selben Kapitel die Übertragung dieses Systemansatzes auf virtuellen Teams.
In Kapitel 5 untersuche ich die praktische Relevanz des Systemansatzes in der Tradition von Bateson zur Beschreibung der Ist-Situation virtueller Teams anhand von Interviews mit Mitgliedern virtueller Teams der IT-Branche. Die Diskussion der qualitativen Unterschiede von erfolgreich arbeitenden und eines gescheiterten virtuellen Teams findet ebenfalls in diesem Kapitel statt.
Im Kapitel 6 resümiere ich die Ergebnisse dieser Diplomarbeit und reflektiere die Grenzen einer qualitativen Untersuchung im Rahmen dieser Arbeit. Der für die Interviewführung entwickelte Leitfaden kann als Instrument für die Ermittlung der Ist-Situation von virtuellen Teams angepasst werden. Die Perspektiven des Einsatzes dieses Interviewleitfadens für den Berater virtueller Teams wird abschließend skizziert.